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Der Katalog der deutschsprachigen illustrierten Handschriften des Mittelalters beschreibt in seiner Gesamtheit alle mittelalterlichen Handschriften deutscher Sprache sowie deutsch-lateinische Mischhandschriften, die mit Illustrationen ausgestattet sind oder zur Illustration vorgesehene Bildlücken aufweisen, sowie ergänzend illustrierte Inkunabeln und Postinkunabeln jener Texte und Stoffe, die auch in ihrer handschriftlichen Überlieferung Illustrationen enthalten. Der Katalog ordnet die Beschreibungsobjekte – etwa 3500 Handschriften – alphabetisch nach 146 Stoffgruppen.

Der Plan einer Bestandsaufnahme sämtlicher deutschsprachigen illustrierten Handschriften des Mittelalters war eingebunden in die überlieferungsgeschichtlichen Forschungsansätze seit den 1970er und 1980er Jahren, die nicht nur die Tradierung von Texten, sondern auch die ihrer Ikonographie mit einbezogen und in deren Nachfolge die Wechselwirkungen der Medien Text und Bild als zentraler Aspekt der Gebrauchssituation von Literatur immer mehr Interesse fanden.
Den Bearbeitungsplan erstellte Hella Frühmorgen-Voss, die auch die grundlegende Materialsammlung anlegte; die Publikationsform wurde von Norbert H. Ott konzipiert.
Der Katalog soll bereits in seiner Anlage den überlieferungsgeschichtlichen Zusammenhang zwischen Literatur und bildender Kunst durchschaubar machen. Sein Ziel ist es, die Ikonographie bestimmter literarischer Stoffe und Stoffkreise in deutscher Sprache systematisch zu dokumentieren, die Rolle der Illustration im Literarisierungsprozess der Volkssprache zu verdeutlichen und die Wechselbeziehungen zwischen Literatur und Bildkunst in der deutschsprachigen Kultur offen zu legen.

znaimHierzu erfasst der Katalog Handschriften mit durchgängigen Bilderzyklen, Titelminiaturen, Einzelbildern, historisierten Initialen, ggf. auch später hinzugefügten Zeichnungen und eingeklebten Holzschnitten und Kupferstichen, ferner darüber hinaus solche, die nur Leerräume (mit oder ohne Beischriften) für nicht ausgeführte Miniaturen enthalten, da sie als “intendierte” bzw. “potentielle” Bilderhandschriften für die Erforschung der aus der Text-Bild-Beziehung resultierenden Gebrauchssituation der Literatur relevant sind. Durch die Einbeziehung von illustrierten Inkunabeln und Postinkunabeln, Blockbüchern und Einblattdrucken vermag er zudem hinzuweisen auf medienhistorische Zusammenhänge zwischen manueller und manufakturieller Verbreitung von Texten und Bildern.

Die erste Fassung der Handschriftenbeschreibungen entsteht in der Regel anhand von Mikrofilmen, Mikrofiches oder Digitalisaten; sämtliche Informationen, die auf dieser Grundlage nicht zu gewinnen sind, werden anschließend durch Autopsie der Originale verifiziert. Die Arbeitsgruppe an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften verfügt über ein umfangreiches Repro-Archiv, das vergleichende Studien ermöglicht, ferner über eine eigene Bibliothek, welche die wichtigsten Handbücher, Kataloge, Texteditionen und Spezialliteratur zur Handschriftenillustration enthält. Die Ergebnisse werden im Katalog der deutschsprachigen illustrierten Handschriften des Mittelalters publiziert.

In Form einer Dokumentation angelegt versteht sich der Katalog als Arbeitsinstrument für jede weitere Beschäftigung mit deutschsprachigen Bilderhandschriften. Er richtet sich an Mediävisten aller Fachrichtungen: Germanisten, Romanisten, Niederlandisten und Mittellateiner, Allgemein- und Kunsthistoriker, Theologen, Buchhistoriker, Volkskundler, Kodikologen und Inkunabelforscher. Über seinen primär überlieferungsgeschichtlichen Anspruch hinaus ist er in der Lage, vielfältige Hinweise zur Kultur- und Alltagsgeschichte, zur Naturwissenschaft, Medizin, Technik und materieller Kultur des Mittelalters bereitzustellen.

 

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